Lunge aus dir; Lo48, 160825, 21:25
Deine Nase streift die meine,
Zu nah. Zu nah.
Und doch nicht nah genug.
Nie. Nie genug.
Deine Augen sind geschlossen,
als hättest du dich dem Schlaf der Götter verschrieben,
und auch meine Lider sinken nieder,
gefangen im Bann derselben Schwerkraft.
Mach sie auf. Nein, lass sie zu.
Ich ertrag’s nicht, wenn du mich ansiehst.
Ich ertrag’s nicht, wenn du’s nicht tust.
Alles reißt. Alles schreit.
Deine Hand liegt an meiner Wange,
ein Gewicht, eine Wärme,
so sanft als könnte diese Berührung mein Gesicht in die Ewigkeit einschreiben.
Es brennt, es friert, es tötet mich,
es macht mich lebendig,
es macht mich wahnsinnig,
wahnsinnig,
Wahn
sinnig.
Und dann dein Atem,
nicht bloß Luft, nicht bloß Leben,
sondern das einzige Element,
das ich noch zu ertragen vermag.
Ich will ihn verschlingen, einsaugen,
bis in meine Zellen hinein,
bis mir die Lunge platzt.
Ich will keine Luft, die nicht zuvor durch deine Lungen brannte,
keine Moleküle, die nicht deinen Leib gekreuzt haben,
keine Welt, die nicht dein Abdruck ist.
Keine.
Alles andere ist Gift. Müll. Abfall.
Ich will nur dich. Dich in mir.
Dich als mich.
Dich ohne mich.
Es reicht mir nicht, sie einzuatmen.
Ich will zu ihr werden.
Ich will sein, was dich erhält,
dich nährt, dich zwingt zu bestehen.
Ein Strom in deinem Innern,
unsichtbar, unaufhaltsam.
Doch das Universum, ein geiziger Gott,
reißt mich zurück,
reißt mich fort von diesem völligen Aufgehen.
Lacht, spuckt, zerrt.
Nein, sagt es. Nein!
Und ich schreie,
aber es hört mich nicht.
Nur du. Nur du hörst mich.
Oder? Hörst du? Hörst du mich?
Sag ja. Sag es. Sag’s!
Es lässt mir nur den Rest:
hier zu verharren,
zu warten,
zu verfallen.
Bis dein Atem mir den Verstand verdirbt,
Verrottet.
bis Schwindel und Wahnsinn eins sind,
bis Sterne sich lösen und zu mir niederfallen,
und ich zwischen den Welten taumle,
besessen von nichts
als dir.